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Arbeit mit geflüchteten Menschen

Musik verbindet - Begegnungen ermöglichen

Es ist das Thema Nr. 1 auf allen Kanälen: Immer mehr geflüchtete Menschen kommen nach Deutschland. Dass diese hier Fuß fassen können, hängt im Wesentlichen davon ab, wie sie hier aufgenommen werden. Kontakte knüpfen, Möglichkeiten, die deutsche Sprache zu lernen, Betätigungsfelder finden, sind dabei wichtige Bausteine. Vereine – welcher Art auch immer – können hier einen wichtigen Beitrag leisten und aktiv zur Willkommenskultur beitragen. Sicherlich bestehen zunächst Hemmungen und Ängste – die Erfahrung zeigt aber, dass sich diese durch den direkten Kontakt oft in Luft auflösen. Wir möchten Euren Verein ermutigen, auf die ankommenden Menschen in eurer Gegend zu zugehen – oft braucht es weniger als gedacht, um geflüchtete Menschen in unserer Gesellschaft aufzunehmen.

Empfehlungen für Begegnungen mit geflüchteten Menschen

Generelle Hinweise

  • Für jede Unterkunft gibt es meistens einen Sozialarbeiter. Dieser sollte bei allen geplanten Aktionen zuerst kontaktiert werden. Alternativ kann man sich an den Träger der Unterkunft wenden. In manchen Unterkünften gibt es auch Heimsprecher, die die Kommunikation unterstützen können.
  • Da die hauptberuflichen Mitarbeiter meist keine Kapazitäten für die Koordination von Ehrenamtlichen haben, solltet ihr euer Vorhaben gut geplant und die nötigen Helfer an euer Seite haben, sodass den Verantwortlichen klar ist, dass für sie kein Mehraufwand besteht.
  • Bei euren Projekten oder Veranstaltungen ist es wichtig, Empathie und Sensibilität für die Situation der geflüchteten Menschen mitzubringen.

1.) Freien Eintritt gewähren
Ermöglicht geflüchteten Menschen einen freien Eintritt zu eurem nächsten Konzert. Am besten bringt ihr ein Kartenkontingent in eine Unterkunft in eurer Nähe. Legt auch einige Flyer von eurer Veranstaltung dazu, damit die Menschen wissen, was sie erwartet.

2.) Einnahmen spenden
Spendet den Erlös – oder einen Teil – eurer nächsten Veranstaltung oder eures nächsten Konzertes der Unterkunft in eurer Nähe. Alternativ könnt ihr auch nachfragen, welche Anschaffungen in der Unterkunft gebraucht werden und diese bezahlen. Neben dem Gewinn für die geflüchteten Menschen kommt eine soziale Aktion natürlich auch dem Image eures Vereins zu Gute.

Wichtig: Weist darauf hin, dass es sich dabei um eine Sonderaktion handelt. Denn gemeinnützigen Organisationen ist es grundsätzlich nicht erlaubt, Mittel für steuerbegünstigte Zwecke zu verwenden, sofern dies nicht ihren Satzungszwecken entspricht.
Das Bundesfinanzministerium hat jedoch für den Zeitraum vom 01.08.2015 – 31.12.2016 eine Sonderregelung herausgegeben. Daher können z.B. Vereine im Rahmen von Sonderaktionen Mittel für die Hilfe von geflüchteten Menschen verwenden.

Weitere Infos hierzu gibt es auf der Homepage des Bundesfinanzministeriums.

3.) Offene Probe veranstalten
Ladet geflüchtete Menschen zu eurer nächsten Probe ein – entweder einfach nur zum Zuhören oder wenn es eure Kapazitäten zulassen auch zum Mitmachen. Viele geflüchtete Menschen haben bereits in ihrer Heimat musiziert und sind gute Musikerinnen und Musiker. Vielleicht bietet sich so für euch auch die Möglichkeit, den ein oder anderen neuen Musiker für den Verein zu gewinnen und somit Lücken in fehlenden Besetzungen zu füllen. Ebenso könnt ihr – in Absprache mit der Schule – auch Kinder zu „wim“ oder Bläserklassen einladen.

4.) Konzerte vor Ort geben
Gerade neu ankommende geflüchtete Menschen sind oftmals mit der neuen Umgebung überfordert. Deshalb kann es von Vorteil sein, in die Unterkünfte zu gehen, anstatt sie an einen externen Ort einzuladen. Veranstaltet doch ein kleines Konzert in den Räumlichkeiten der Einrichtungen. Ihr könnt dies zum Beispiel auch anstelle eurer wöchentlichen Probe tun. Klärt aber bitte vorab mit den Verantwortlichen der Unterkunft ab, ob so etwas gewünscht ist.

5.) Willkommensfest veranstalten
Warum macht ihr nicht aus eurem nächsten Vereinsfest ein Willkommensfest – und ladet alle Menschen in der Umgebung ein, den Verein und dessen Arbeit kennenzulernen? Vielleicht könnt ihr das Fest auch mit anderen Vereinen veranstalten. So bietet ihr den geflüchteten Menschen ein breites Spektrum an Freizeitmöglichkeiten, bei dem sicherlich für jede/n etwas dabei ist. Elemente des Festes können zum Beispiel kurze musikalische Einlagen, sportliche Aktivitäten, Kinderprogramm usw. sein. Vorteilhaft ist es auch, die geflüchteten Menschen direkt am Fest zu beteiligen – so können sie dort Elemente ihrer Kultur vorstellen, z.B. Tänze, Essen, Musik, Sprachen.

6.) Instrumente sammeln
Viele geflüchtete Menschen waren in ihrem Herkunftsland selbst Musikerinnen und Musiker wie ihr. Sicherlich fehlt ihnen das Musizieren und Üben. Schaut doch mal in euren Proberaum welche Instrumente nicht benötigt werden und die somit an die Unterkünfte verliehen werden können. Vielleicht hat der ein oder andere auch noch ein altes Instrument zu Hause, das nicht mehr gebraucht wird?

7.) Gespräche und Begegnungen ermöglichen
Die geflüchteten Menschen bekommen von den Kommunen und Regierungen das Nötigste gestellt: ein Dach über dem Kopf, ein Bett, etwas zu essen, medizinische Versorgung. Eine Betreuung darüber hinaus ist fast nicht leistbar. Diese wertvolle Arbeit wird von Ehrenamtlichen geleistet. Sie sind es, die sich die Erlebnisse der geflüchteten Menschen anhören, ihnen ein Lächeln schenken, die sie zu Veranstaltungen einladen und Begegnungen ermöglichen. Geht in die Unterkünfte und lernt die Menschen aus eurer Nachbarschaft kennen.

8.) Mehrere Sprachen sprechen & Deutschkurse anbieten
Denkt daran, schriftlichen Einladungen oder Aushänge in den Unterkünften z.B. auch auf Englisch zu übersetzen. Vielleicht gibt es sogar jemanden in eurem Verein, der eine der Herkunftssprachen der geflüchteten Menschen spricht und die Ausschreibungen übersetzen kann. Parallel sollten die Informationen aber immer auch auf Deutsch ausliegen, damit die geflüchteten Menschen die Möglichkeit haben, deutsch zu lernen.
Der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gelungene Integration. Man muss kein Deutschlehrer sein, um die wichtigsten Kenntnisse zu vermitteln. Kostenlose Unterrichtsmaterialien gibt es beispielsweise hier: Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover e.V.. Ladet geflüchtete Menschen in euren Proberaum ein und vermittelt ihnen dort die wesentlichen Grundkenntnisse, mit denen sie sich in der neuen Umgebung besser zurecht finden können. In manchen Fällen wird diese Tätigkeit sogar vergütet – fragt am besten einmal bei eurem zuständigen Landratsamt nach.

9.) Sachspenden sammeln
Erkundigt euch, was konkret in den Unterkünften gebraucht wird. Oft werden in guter Absicht Dinge zu den Unterkünften gebracht, für die keine Verwendung besteht. Wenn ihr genau wisst, was aktuell gebraucht wird, könnt ihr gemeinsam im Verein eine Aktion starten und beispielsweise in eurem Ort Kleidung, Hygieneartikel oder Winterschuhe sammeln und diese gut sortiert in den Einrichtungen vorbei bringen.

Die Empfehlungen können hier auch heruntergeladen und im Verein ausgelegt und vorgestellt werden:

Rückmeldung: Wie engagiert ihr euch für geflüchtete Menschen?

Wir freuen uns, wenn ihr uns berichtet, welche Aktionen ihr durchgeführt habt oder wie sich euer Verein aktuell für geflüchtete Menschen einsetzt. Schickt uns doch einen kurzen Bericht und ein paar Fotos und wir werden dies auf unseren Plattformen veröffentlichen und würdigen.
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