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Musik für alle

Die Nordbayerische Bläserjugend will sich durch offene Strukturen und eine Willkommenskultur gegenüber allen Menschen auszeichnen. Menschen, die aus anderen Herkunftsländern kommen, eine Behinderung oder sonstige Benachteiligung haben, sollen am kulturellen Leben in unserem Verband teilhaben können.

Denn Vielfalt bereichert das musikalische Leben. Wir schreiben den Themen Inklusion und Integration in unserem Verband einen hohen Stellenwert zu und möchten diese Haltung in unsere Mitgliedsvereine tragen und diese in der Öffnung ihrer Strukturen unterstützen.

Dazu ist es nötig, über die beiden Themen zu informieren und Vorteile aufzuzeigen, die sich aus einer Öffnung des Verbandes für alle Interessierten ergeben. Anhand von Best-Practice-Beispielen wollen wir zeigen, wie Inklusion und Integration in der Blasmusik bereits gelebt werden. Um alle Menschen anzusprechen, bieten wir auch Informationen in “Leichter Sprache”:“/themen/inklusion-und-integration/leichte-sprache.html an. Außerdem wollen wir diese Themen verstärkt in unsere Ausbildungsformate integrieren und so dafür sorgen, dass die Fachkräfte vor Ort sensibilisiert und auf die “inklusive Praxis”“:/themen/inklusion-und-integration/inklusion-in-der-praxis.html vorbereitet werden.

Zu den Begriffen Inklusion und Integration

Inklusion und Integration. Diese Begriffe hört man ständig in den Medien. Inklusion bezieht sich in der Regel auf Menschen mit Behinderung. Bei geflüchteten Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund dagegen ist meist die Rede davon, dass sie integriert werden sollen. Doch was genau wird nun darunter verstanden? Und ist es überhaupt notwendig, hier zu unterscheiden?

Unter Integration wird in der Regel verstanden, dass Menschen Teil einer Gesellschaft werden und so am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Häufig wird dies jedoch so betrachtet, dass zu integrierende Personen auf eine relativ homogene Gesellschaft treffen und daher von der Norm abweichen – sie sind anders. Aber ist das denn wirklich der Fall oder ist nicht in Wirklichkeit jeder ein bisschen anders?

Die Erklärung der Aktion Mensch zum Inklusionsbegriff – bezogen auf Menschen mit und ohne Behinderung – greift dieses Thema auf: „Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. […] In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander.“ Das bedeutet also Inklusion. Und ist das nicht genau das, was auch in Hinblick auf die Integration von geflüchteten Menschen angestrebt wird?

Wieso machen wir uns also Gedanken über Worte – viel wichtiger ist es doch, dass wir uns für unser Ziel einer Gesellschaft ohne Ausgrenzung einsetzen. Denn „Inklusion [und auch Integration] ist kein Expertenthema – im Gegenteil. Sie gelingt nur, wenn möglichst viele mitmachen. Jeder kann in seinem Umfeld dazu beitragen. Und je mehr wir [darüber] wissen, desto eher schwinden Berührungsängste und Vorbehalte“ (Quelle: Aktion Mensch).

Die UN-Konvention - Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Im Dezember 2006 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung verabschiedet. Ziel der UN-Konvention ist es, ihnen die Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen zu garantieren. Dieses Menschenrecht in den Alltag umzusetzen, ist nun Aufgabe der UN-Mitgliedsstaaten: Seit März 2007 sind sie dazu aufgerufen, den Vertrag zu unterschreiben und damit die Rechte von Menschen mit Behinderung durchzusetzen. Im März 2009 trat die Konvention in Deutschland in Kraft.

Quelle: Aktion Mensch

Wir machen mit!

Wir möchten unsere Verantwortung in Hinblick auf die Umsetzung der Konvention ernst nehmen und sehen dazu vor allem Anknüpfungspunkte in Artikel 30. Hier geht es u.a. um die Teilhabe aller Menschen an kulturellen Angeboten. Durch die Öffnung unserer Verbands- und Vereinsstrukturen möchten wir den generellen Zugang zu Kultur ermöglichen. Im Speziellen möchten wir Menschen mit und ohne eine Behinderung die Möglichkeit geben, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das eigene freiwillige Engagement stärkt die Menschen in ihren Fähigkeiten und fördert oder aktiviert ihre Kompetenzen. Das Engagement führt zur gesellschaftlichen Teilhabe in Richtung einer inklusiven Gesellschaft. Dazu möchten wir beitragen.

Inklusion in der Nordbayerischen Bläserjugend und im Nordbayerischen Musikbund

Kultur öffnet Welten

Die Nordbayerische Bläserjugend e.V. ist Akteurin bei „Kultur öffnet Welten“.

„Kultur öffnet Welten“ ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und Kommunen, künstlerischen Dachverbänden und AkteurInnen aus der Zivilgesellschaft.

“Jeder Mensch kann seinen eigenen Zugang zu Kunst und Kultur finden. Es braucht lediglich den Raum und die Zeit dafür – und die richtige Einladung. Diese Erkenntnis treibt immer mehr Kunst- und Kulturschaffende an. Ob in Stadtteilzentren oder Theatern, in Großstädten oder auf dem Land, in Opern, Museen oder Bibliotheken: Bundesweit entstehen innovative Vorhaben, die Kultur für alle zugänglich machen.
Die Initiative „Kultur öffnet Welten“ möchte diese Projekte und deren Beteiligte vorstellen. Die gemeinsame Aktion von Bund, Ländern, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren bildet die Vielfalt des Kulturlebens ab. Sie würdigt das Engagement und die oftmals ehrenamtliche Arbeit all jener, die sich mit den Mitteln von Kunst und Kultur für eine offene Gesellschaft einsetzen” (Quelle: Kultur öffnet Welten).

Durch die Teilnahme an der Initiative möchten wir unsere offene Haltung gegenüber allen Menschen nach außen tragen. Wir erhoffen uns aber auch weitere Impulse, wie wir Inklusion und Integration in unseren Verbandsstrukturen weiter voranbringen können.

Nachteilsausgleich bei D1- und D2-Prüfungen

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung hat im Nordbayerischen Musikbund und der Nordbayerischen Bläserjugend einen hohen Stellenwert. Um auch bei den D-Prüfungen gleiche Chancen für Menschen mit und ohne Behinderung gewährleisten zu können, gibt es Bestimmungen zur Umsetzung des Nachteilsausgleiches bei D1- und D2-Prüfungen.

Teilnehmende mit einer dauerhaften Behinderung können in der Geschäftsstelle der Nordbayerischen Bläserjugend und des Nordbayerischen Musikbundes einen Nachteilsausgleich beantragen.

Umfrage zur Umsetzung von Inklusion im Nordbayerischen Musikbund und der Nordbayerischen Bläserjugend

Der Nordbayerische Musikbund und die Nordbayerische Bläserjugend setzen sich bereits seit mehreren Jahren mit der Umsetzung von Inklusion im Verband auseinander. Um einen aktuellen Überblick zu bekommen, wie viele Musiker mit einer Beeinträchtigung bereits in einem Mitgliedsverein aktiv tätig sind, wurde 2015 ein Fragebogen zum Thema Inklusion an alle Vereine verschickt. Durch die Befragung sollte außerdem ermittelt werden, welchen Bedarf die Vereine zum Thema Inklusion sehen. Die Befragung wurde im Rahmen der Bachelorarbeit von Julia Schuster, Studentin der angewandten Sozial- und Gesundheitswissenschaften in Regensburg, durchgeführt.

Von den ca. 900 verschickten Fragebögen wurden insgesamt 105 Fragebögen ausgefüllt zurückgesandt. Die Ergebnisse repräsentieren somit über 5100 Musiker, die Mitglied in einem der beiden Verbände sind. Aus der Befragung geht hervor, dass aktuell 25% der Musikvereine, die sich rückmeldeten, Mitglieder mit einer Beeinträchtigung haben. Die Art der Beeinträchtigung ist in den meisten Fällen körperlich (63%), 24% haben eine geistige und 13% eine psychische Beeinträchtigung. Ein Großteil dieser Musiker (48%) ist im großen Blasorchester aktiv.

Erfreulich zu hören ist, dass die Zusammenarbeit mit Musikern mit einer Beeinträchtigung von den Vereinen, die Erfahrungen mit solchen Mitgliedern haben, meistens als sehr bzw. eher unkompliziert beschrieben wird (79%). Vorteile wurden vor allem in der sozialen Bereicherung gesehen, aber auch musikalische Vorteile wurden genannt.

Als größtes Hindernis für die Umsetzung von Inklusion wurden bauliche Barrieren aufgeführt, welche 68% der befragten Vereine nannten. Des Weiteren stehen vor allem Berührungsängste, mangelndes Wissen und fehlende Ressourcen sowie mögliche Überforderung der Umsetzung von Inklusion im Weg. Deutlich wurde auch, dass nur wenige Vereine einen aktuellen Bedarf für die Umsetzung des Themas Inklusion im Verband sehen. Dies wird damit begründet, dass es bisher noch keine Anfragen auf Mitgliedschaft von Menschen mit Beeinträchtigung gab. Diese Aussage ist jedoch kritisch zu betrachten: Denn Inklusionsprozesse gehen nicht allein von Menschen mit einer Beeinträchtigung aus. Vereine, die sich aktiv für die Beteiligung von Menschen mit Behinderung einsetzen, wie beispielsweise der Musikverein Wackersdorf-Steinberg am See unter der musikalischen Leitung von Agnes Meier, haben einen vergleichsweise hohen Anteil an musizierenden Mitgliedern mit Beeinträchtigung. Durch eine größere Offenheit und Bereitschaft von Seiten der Vereine werden mehr Menschen mit einer Beeinträchtigung angesprochen, sich aktiv zu beteiligen. Somit kann erst der tatsächliche Bedarf festgestellt werden.